Friseurscheren- ohne Zweifel das Königswerkzeug der Friseure. Gehegt und gepflegt von jedem Friseur ist die Friseurschere das Highlight des eigenen Werkzeugschatzes. Heute gibt es Friseurscheren in nahezu allen Farben und sehr vielen Formen und Materialien. Die Preise einer Friseurschere reichen hier von 20 Euro bis 2.000 Euro. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Königswerkzeug – von den Anfängen bis zur heutigen High Tech Friseurschere.
Geschichte der Schere
Die Friseurschere
Wann genau es die ersten Schere gegeben hat ist bis heute unklar. Auch in der Literatur findet man recht wenig Hinweise auf die erste, echte Schere. Darüber, ob der Gebrauch von zwei Klingen auch als die Geburtsstunde der Schere gilt, streiten sich die Gelehrten. Technisch gesehen war die erste Schere wohl der Verbund von zwei Messerklingen, welche an einem Ende verbunden wurden. Diese Art der Schere nannte man “Endgelenkschere”, da sich das Gelenk eben am Ende der Klingen befanf und noch kein Griff an der Schere zu finden war. Wie man sich vorstellen kann, ist eine solche Endgelenkschere so gut wie nicht zu gebrauchen, da die Handhabung völlig unpraktisch war. Die Endgelenkschere musste zudem mit beiden Händen gehalten werden.
Erst im 5 Jahrhundert v.Chr. fand man in der heutigen Schweiz Geräte die an Scheren erinnern und teilweise heute noch existieren – zum Beispiel die Bügelscheren. Erst mit Beginn der Eisenerzgewinnung und mit Aufkommen der Schmiedekunst begann der eigentliche Siegeszug der Scheren. Durch verschiedene keltische Völker verteilten sich die ersten geschmiedeten Scheren um 450 v.Chr. in Europa. In den unterschiedlichen Ländern wurde dann die Entwicklung und Ausarbeitung der Scheren immer weiter vorrangetrieben. Die Scherenentwicklung hatte dann ca. im Jahre 1000 n.Chr. einen Höhepunkt erreicht – zu diesem Zeitpunkt gab es Scheren für alle erdenklichen Arten der Anwendung: Scheren zum Schaf scheren, Stoffscheren und schließlich auch Friseurscheren. All diese Scheren nennen sich Gelenkscheren – im Gegensatz zur Endgelenkschere besitzen die Gelenkscheren in der Mitte ihre Verschraubung und haben zusätzlich 2 Schenkel und Augen für die Benutzung mit einer Hand.
Die heutigen Scheren für spezielle Arbeiten, wie z.B. Haarschneideschere, sind absolute High Tech Werkzeuge. Die Formgebung und die Herstellungsmaterialien sind das Ergebnis langjähriger Entwicklungsarbeit. Noch immer wird an der idealen Haarschere geforscht und entwickelt.

High Tech Friseurschere von Tondeo © Tondeo Solingen
Die Haarschere oder Friseurschere
Die Schere ist wohl immer noch das am häufigsten verwendete Haarschneidegerät. Friseurscherenn gibt es in vielen verschiedenen Größen, die in Zoll angegeben werden. Mit der Haarschneideschere lassen sich sehr gezielt nahezu alle Haarschnitte ausführen, die in der Praxis verlangt werden. Die heutugen Friseure bevorzugen leichte und sehr kleine Scheren (4,5 Zoll – 6 Zoll). Sie ermöglichen ein sehr gezieltes Arbeiten. Insbesondere fein abgeteilte Haarpartien können sauber geschnitten werden, ohne dass bereits bearbeitete Partien nochmals von der Schere erfasst werden.
Ein exakter Scherenhaarschnitt am nassen Haar ist mit großen, schweren Scheren kaum möglich. Allerdings eigenen sich für dichtes und starkes Haar, insbesondere beim Herrenhaarschnitt mit Übergang, die größeren Scheren besser (6 Zoll Schere). Noch Anfang der 50er Jahre haben auch die Damenfriseure mit sehr großen Scheren gearbeitet. Erst durch Vidal Sassoon in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts kamen die kleinen Scheren in Mode – die durch Sassoon entwickelten Techniken machten das Nutzen von kleinen Scheren zu einem Muss.
Aufbau von Haarscheidescheren
An jedem der beiden Teile einer Schere unterscheidet man das Scherenblatt mit der Schneide, den Griff mit dem Ring und das Schloß (Gelenk). In geschlossenem Zustand liegen die beiden Scherenblätter nicht flach aufeinander – am Schloß und an der Spitze hegen die Scherenblätter auf, dazwischen ergibt sich ein Hohlraum. Dadurch entsteht zwischen den
beiden Scherenblättern eine federnde Spannung. Wird die Schere ganz oder teilweise geöffnet, so überkreuzen sich die Scherenblätter ein wenig, so daß sie immer fest übereinander liegen und auch in halb oder ganz geöffnetem Zustand eine stets scharfe Schnittfläche entsteht. Dadurch können bei intakter Schere die Haare niemals beim Schneiden „umknicken”.
Dies ist der sogenannte Gangschliff der Haarschneidescheren. Jede Haarschneideschere hat nach dem Schleifen feinste, nur unter dem Mikroskop sichtbare „Zähnchen”. Sie ermöglichen erst das saubere Abschneiden der Haare. Diese Zähnchen nutzen sich mit der Zeit ab, die Schere wird stumpf, sie erfaßt die Haare nur noch mangelhaft und schiebt sie beim Schneiden etwas nach vorne. Dadurch wird die Schnittkante ungenau. Eine Weiterentwicklung der Haarschneideschere ist die gezahnte Schere. Bei ihr sind in beide Scherenblätter feine, mit dem bloßen Auge sichtbare Zähnchen eingearbeitet. Diese Zähnchen halten die Haare fest, so daß sie sich nicht unter den Blättern vorschieben oder gar umknicken können. Diese Art der Schere wir oft von Anfängern benutzt.

Der Aufbau einer Friseurschere
Die richtige Pflege von Friseurscheren
Grundsätzlich sollte man Haarschneidescheren sehr sorgsam behandeln. Nach jedem Gebrauch sollte die Friseurschere abgewischt werden, Haare und anhaftende Feuchtigkeit werden entfernt. Wenn notwendig, kann das Schloß von Zeit zu Zeit mit spezial Öl leicht geölt werden. Mit Haarschneidescheren sollte nichts anderes geschnitten werden als Haare, sonst verlieren sie sehr bald ihre Funktionsfähigkeit und werden schnell stumpf. Ist eine Schere einmal runtergefallen, ist sie meist nicht mehr zu gebrauchen.
Mit Haarschneidescheren muß man immer in der gleichen Stellung arbeiten, d. h. man schneidet immer entweder mit dem Schraubenkopf oder dem Schraubenende des Schlosses zum Ausführenden hin. Hält man die Haarschneideschere einmal so und einmal wieder umgekehrt, dann verringert sich die Zeit, in der die Schere scharf und präzise schneidet, erheblich.
Daher sollte auch eine Haarschneideschere immer nur von einer Person benutzt und in keinem Fall ausgeliehen werden. Wird die Schere nicht benötigt, so kommt sie in die dazugehörige Schutzhülle oder in den Arbeitskasten.
Klingen und Gangstelle der Schere täglich mit einem weichen Tuch reinigen und einen Tropfen Pflegeöl auf die Gangstelle geben, um eine optimale Schneidleistung zu erzielen. Öffnen und schließen Sie die Schere mehrmals, um das Öl zu verteilen. Gängigkeit der Schere regelmäßig prüfen: Ist der Gang zu lose eingestellt können die Haare abknicken oder beim Schneiden »geschoben« werden. Ist der Gang zu fest eingestellt, können die Schneiden der Schere beschädigt werden. Die ideale Gängigkeit gewährleistet weiches Öffnen und Schließen und einen sanften Schnitt. Die Schere weist in jeder gewünschten Position und in jedem gewählten Schneidewinkel eine optimale Schneid¬eistung auf; die Kantenschärfe bleibt erhalten. Richtig einstellen: Ist die Schere richtig eingestellt, sollten sich die Klingen der Schere sanft schließen lassen, nicht zufallen. Beim Schneiden wird zum Schließen der Schere nur ein Minimum an Druck benötigt. Wenn Sie eine festere Gängigkeit wünschen, drehen Sie die Schraube im Uhrzeigersinn mit einer 1/16-Umdrehung (3-4 Minuten auf dem Ziffernblatt einer Uhr); ggf. wiederholen bis die richtige Gängigkeit erreicht ist. Wenn Sie eine leichtere Gängigkeit wünschen, die Schraube entgegen dem Uhrzeigersinn mit Drehung, ggf. wiederholen.
Die Festigkeit der Schere beurteilen
Die Festigkeit der Schere kann auch der Scheren Laie beurteilen:
- In der linken Hand Schere an einem Halm senkrecht nach oben halten.
- Den anderen Halm in einen rechten Winkel bringen, dann loslassen.
- Beim Zufallen darf sich die Schere nicht schließen; sie sollte in einem 20°- bis 30°-Winkel stehen bleiben.
- Fällt die Schere zu, ist sie zu lose eingestellt. Bewegt sich das Blatt, das losgelassen wurde, nicht oder nicht bis zum angegebenen Winkel, ist sie zu fest eingestellt. Dementsprechend sollte die Schere in der Festigkeit reguliert werden.
Japan oder Deutschland – wer baut die besseren Scheren?
Deutscher Stahl, deutsche Messer oder Scheren aus Solingen, was kann es besseres geben? Für Friseure ist die Antwort ganz klar: Scheren aus Japan! Natürlich ist es auch immer Geschmackssache. Sicherlich ist die Qualität der Scheren fast gleich, dannoch sind japanische Scheren die Königsklasse der Scheren.

High Tech Schere aus Japan von MATSUZAKI - Preis dieses Models 749,- Euro
Warum ist das aber so? Die Sache liegt auf der Hand: Europäische Haare sind in der Regel zwischen 0.03 und 0.08 mm stark – Asiatische Haare liegen zwischen 0.06 und o.12 mm. Die Scheren in Japan müssen also viel dickere Haare schneiden als die europäischen Pendants. Eine deutsche Schere aus Solingen hält in Europa ca. 3 Jahre ohne Schleifen. Eine japanische Schere hält in Asien auch nur 3 Jahre ohne Schleifen. Benutzt man nun aber eine japanische Schere in Europa, hält diese einfach fast doppelt so lang.
Wer sich einge Herstellerseiten von guten Friseurscheren ansehen möchte, dm seien die folgenden ans Herz gelegt:
Die Ausdünnscheren – Effilierschere und Modellierschere
Kaum einer kennt den Unterschied – zumindest nicht die Kunden. Doch sind diese beiden Abwandlungen von Friseurscheren fast jedem bekannt. Die Effilierschere und die Modellierschere. Oft werden diese Scheren auch als “Ausdünnschere” bezeichnet. Nun möchten wir auch diese beiden Scheren beschreiben, damit zukünftig jeder den Unterschied kennt und auch weiß, dass man nicht einfach “ausdünnen” sollte…
Die Effilierschere
Unter einer Effilierschere eine Schere, welche auf beiden Seiten gezahnt ist. Die Schneideblätter sind abwechselnd eingekerbt um nicht alle Haare zu erfassen. Mit einer Effilierschere schneidet man ca. 30% der Haare die sich im Moment des zudrückens zwischen den Blättern befinden. Das bedeutet, mit einem Mal zuscheiden sind 1/3 der Haare gekürzt. Schneidet man 3x auf der selben Stelle sind somit alle Haare weg.
Die Modellierschere
Die Modellierschere hingegen ist nur auf einer Seite gezahnt – das andere Schneideblatt ist glatt. Mit einer Modellierschere werden mit einem Schnitt ca. 50% der Haare geschnitten. Hier reicht also 2 mal zuschneiden an der selben Stelle, damit alle Haare weg sind.

Modellierscheren - einseitig gezahnt
Beide Scheren sorgen durch das einschneiden für Haare in unterschiedlichen Längen. Das Haar kan damit u.U. lockerer und natürlicher fallen. Auch zum Übergang schneiden bei einem Herrenhaarschnitt werden Effilierscheren und Modellierscheren häufig eingesetzt. Einen Faconhaarschnitt jedoch nur mit einer Ausdünnschere zu schneiden ist etwas unsauber.

Bei den 3 Herstellern der hier vorgestellten Scheren fehlt eine Firma ganz besonders. Die Firma Mizutani. Viele meiner Kollegen arbeiten mit der Japanischen Firma zusammen. Einen kleinen Bericht zu der Mizutanischere findet ihr auf meiner Webseite.
Zur Rechnung bei Effilier- und Modellierschere:
30% von 100% sind 70% und 30 Prozent von 70% sind ~23%! nicht 0%!
Bei der Modellierschere: 50% von 50% sind 25% und 50% von 25% sind 12,5%?????
Also nach dreimal Schneiden bleibt mit der Effilier etwa doppelt soviel übrig wie mit der Modellier.
Sonst ein hilfreicher Artikel!
Danke
bin auf der suche nach einer schere die normale 2 schenkeln hat-aber 3 augen! kann mir jemand adressen geben!!!
diese schere liegt verkehrt in der hand.
man hält sie mit 3 finger-zeige,-mittelfinger u daumen!
Eine tolle kompakte Beschreibung, so etwas findet man selten.
@Bianca: schau mal unter bacher-friseurscheren.de da findest Du das was Du suchst.