Säuren & Basen in der Friseurchemie

Bestimmt kennt jeder die Ausdrücke oder weiß, dass diese Begriffe etwas mit den Haaren bzw. einer Haarfärbung, einer Dauerwelle oder Blondierung oder einer Haarkur zu tun haben. Nur was genau, weiß man oft nicht. In diesem Artikel erklären wir die Begriffe Säure und Base. Base wird auch oft einfach nur Alkali oder Alkalität genannt. Der Artikel ist recht Anspruchsvoll – lesen lohnt sich aber umso mehr – speziell für alle die, die oft und gerne an ihren Haaren herrumexperimenetieren!

Eigenschaften und Verwendung von Alkalität (Basen)

Verreibt man etwas Ammoniakwasser zwischen den Fingern, so fühlt sich die Haut schlüpfrig-glitschig an. Die Haut wird durch Basen schlüpfrig, weil sie die obersten Schichten der Epidermis aufquellen. Basen quellen die Haut auf. Auch das Haar wird durch Basen gequollen. Je nach Stärke der verwendeten Base (Alkalität) quillt das Haar um 40-70 %, d. h. sein Durchmesser nimmt sehr stark zu.

Von dieser quellenden Wirkung der Basen macht man Gebrauch bei der Dauerwelle, beim Blondieren und Haarfärben. Bei der Dauerwelle soll die Quellung des Haares die natürliche Elastizität des Haares vermindern und die Verformbarkeit begünstigen. Beim Haarfärben fördert die Quellung das Eindringen der Farbstoff-Vorstufen in das Haar, denn in eine aufgelockerte Haarsubstanz können Stoffe leichter eindringen. Darüber hinaus fördert das basische „Milieu” die Oxidationswirkung von Wasserstoffperoxid.

Leider ist die manchmal erwünschte aufquellende Wirkung der Basen gelegentlich auch von Nachteil. Haare, die wiederholt basischen Behandlungen ausgesetzt würden, werden rauh, glanzlos und spröde. Basen beeinträchtigen mit der Zeit die Struktur der Schuppen- und Faserschicht des Haares. Die Schuppen stehen ab, der Faserstamm wird aufgelockert, Teile der Haarsubstanz können verlorengehen. Besonders blondiertes und hellergefärbtes Haar ist gegenüber basischen Einwirkungen sehr empfindlich, da es in seiner Struktur schon geschädigt ist. Starke Basen können das Haar vollständig auflösen. Von dieser hornlösenden Wirkung der starken Basen macht man in bestimmten Haarentfernungsmitteln Gebrauch. Sie enthalten starke Basen, die den Haarschaft so stark quellen und auflockern, daß man die Haare mit einem Spatel abschaben kann. Allerdings kann es bei empfind¬licher Haut durch die starken Basen zu Hautreizungen kommen.

 

Eigenschaften und Verwendung der Säuren

Starke Säuren wirken auf Haut und Haar ähnlich zerstörend wie die starken Basen. In Schwefelsäure z. B. wird die Haarsubstanz so stark angegriffen, daß man das brüchig gewordene Haar leicht zerzupfen kann. Auf die Haut wirken starken Säuren ätzend, sie erzeugen schwere, tiefgreifende Hautzerstörungen, die nur langsam heilen. Schwache Säuren hingegen können auf Haar und Haut eine direkt segensreiche Wirkung entfalten. Sie wirken auf Haut und Haar entquellend — ein vorher unter dem Einfluß basischer Mittel aufgequollenes Haar nimmt wieder an Durchmesser ab, es zieht sich zusammen. In der Fachsprache des Friseurs nennt man dieses Zusammenziehen und Entquellen adstringieren. Die adstringierende Wirkung der Säuren läßt sich auch bei der Haut nachweisen.

Man verwendet schwache Säuren, hauptsächlich die organischen Säuren (Essigsäure, Zitronensäure, Weinsäure), in der Praxis des Friseurs und Kosmetikers in allen Präparaten, die eine entquellende Wirkung haben sollen. So enthalten die Fixierungen Säuren, die nach der Dauerwelle zur Entquellung des Haares beitragen sollen. Die Nachbehandlungsmittel für Färbungen und Blondierungen (Kräuterspülungen usw.) reagieren in der Regel sauer Oft ist in ihrem Namen schon der Begriff Säure enthalten (z. B. Kräuter-Azid, von latein. acidum = Säure). Auch viele Haarkurmittel reagieren sauer, weil sie das Haar adstringieren und glätten sollen. Gesichtswässer enthalten oft Säuren zum Adstringieren und Entquellen der Haut nach kosmetischen Behandlungen, wie z. B. warmen Kompressen, Gesichtsmassagen usw Gesichtswässer, die speziell zum Adstringieren vorgesehen sind, nennt man in der Kosmetik Adstringentien.

Bitte lest auch den Artikel über den PH-Wert

Zusammenfassung zum Thema Alkalität und Säure in der Friseurchemie

  • Basen quellen Haut und Haar auf.
  • Starke Basen zerstören das Haar völlig. Auf die Haut wirken sie stark ätzend.
  • Man verwendet Basen wegen ihrer quellenden Wirkung in Dauerwellen, Blondierungen und Färbemitteln.
  • In Haarentfernungsmitteln sind starke Basen enthalten, die das Haar auflösen können
  • Wasserstoffperoxid entfaltet in alkalischer Umgebung eine gute Oxidationswirkung.
  • Starke Säuren zerstören das Haar. Auf die Haut wirken sie atzend.
  • Schwache Säuren entquellen Haar und Haut. Sie ziehen Haar und Haut zusammen. Schwache Säuren wirken adstringierend.
  • Man verwendet Säuren wegen ihrer adstringierenden entquellenden Wirkung in Dauerwellfixierungen. Nachbehandlungsmitteln nach Färbungen und Blondierungen und Haarkurmitteln. Oft auch in Gesichtswässern und After Shave.
  • In kosmetischen Präparaten sind vorwiegend organische Säuren (z. B Essigsäure. Zitronensäure, Weinsäure usw.) enthalten, da sie besonders mild wirken.

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